Geschichte und Stationen Würgendorfs

Die Geschichte Würgendorfs liegt lange Zeit im Dunkeln. Wir wissen aber, daß durch Erzfunde, Waldreichtum und große Wasservorkommen im oberen Einzugsbereich der Heller unser Raum durch keltische Stämme sehr früh besiedelt wurde.

Licht in das Dunkel unseres am Fuß der Kalteiche liegenden schönen Heimatortes Würgendorf bringt 778 eine Schenkungsurkunde. Eine fränkische Grundherrin schenkte ihren Besitz dem Ort Haigerahre (dem heutigen Haiger).

Diese Urkunde mit den eingetragenen Ländereien dokumentiert das Kirchspiel Haigergau mit dem heutigen Ober- und Freien Grund (also Burbach und Neunkirchen)

Zum gleichen Zeitpunkt beginnt etwa die Christianisierung in unserer Grenzregion, bevölkert von fränkischen und hessisch-thüringischen Stämmen. Die Gründung weiterer Ortschaften in der Folgezeit hilft, die Grenzregion der christlichen Franken gegen die heidnischen Sachsen zu sichern.

Das Haiger-Kirchspiel wurde nochmals mit der Grenzbestimmungsurkunde aus dem Jahre 1048 durch den Erzbischof Eberhard von Trier bei der Einweihung der neu gebauten Kirche in Haiger bestätigt. Hierin wurde erstmalig der Begriff "Gebiet der Freien Männer" erwähnt, welcher den heutigen Freien- und Obergrund abgrenzt.

Von Dörfern in unserem heutigen Sinn konnte man um das Jahr 1048 noch nicht sprechen. Es waren kleine Gehöfte und Siedlungen in geschützter Lage der noch urigen, teilweise sehr sumpfigen Landschaft.

Erst allmählich wurden im Zusammenhang mit der wachsenden Bevölkerung kleine Kapellen und Wehrkirchen gebaut.

Man schätzt, daß die Würgendorfer alte Wehrkirche im 12. Jahrhundert gebaut wurde, als eine der ältesten Gotteshäuser in Süd-Westfalen.

Es muß noch erwähnt werden, daß über einen Zeitraum von 500 Jahren Beerdigungen in Würgendorf um die Kirche, sogar Kinder-bestattungen in der Kirche stattgefunden haben, bis 1818 in Würgendorf auf Anordnung der Verwaltung ein neuer Friedhof am jetzigen Standort angelegt werden mußte.

Zum damaligen Zeitpunkt gab es keinen deutschen Staat im heutigen modernen Sinne, sondern das Reich Karl des Großen (768 - 814) war in viele kleine Gaue eingeteilt. Sie wurden verwaltet von Gaugrafen, Kirchen oder selbstständigen Landesherren. Im Grund Sel- und Burbach, ein Bestandteil des Haigergaues, also unsere Heimat, war das Geschlecht derer von Selbach Verwaltungsinstanz. Bedingt durch den Niedergang des Seelbacher Adelsgeschlechtes gewinnen die benachbarten Grafen von Hessen in Dillenburg und Sayn in Hachenburg mehr und mehr Macht und Einfluß. Zwei große Grafenhäuser, Nassau und Sayn, bemühen sich 500 Jahre um die Oberherrschaft über diesen kleinen Raum. Keiner hat sie bis zum Jahr 1799 jemals besessen. Diese Doppelherrschaft, welche in der deutschen Geschichte wohl einzigartig ist, brachte unserer Heimat viel Unruhe und Unfrieden.

Würgendorf, Gilsbach und der Hickengrund blieben rein nassauisch. Erst 1799 endet die Doppelherrschaft im Freien- und Obergrund mit der Heirat der beiden Geschlechter untereinander.

1605 zählte man in Würgendorf 33 nassauische Häuser, 1668 waren es schon 40.

Auch der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) ging nicht spurlos an unserer Region vorbei. Plünderungen, Brandschatzungen und Gewaltanwendung von durchziehenden Söldnerheeren waren an der Tagesordnung.

Die Französische Revolution (1792 – 1799) sowie die politische Großwet-terlage zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachten uns mit der Schlacht auf der Kalteiche zwischen Franzosen und Österreichern sowie den Kriegsunruhen 1806 – 1815 durch den napoleonischen Feldzug gegen die Preußen nochmals große Unruhe in unserer problembeladenen Region.

An der Entscheidungsschlacht bei Waterloo gegen Napoleon in Belgien am 18. Juni 1815 waren 4 Männer aus Würgendorf beteiligt.

1812 zählte man in Würgendorf 53 Häuser und 329 Einwohner. Zwei Schuster, drei Schneider, ein Schmied, zwei Wirte, drei Leinweber und ein Krämer.

Endgültig neu geordnet wurde der Freie Grund durch den Übernahmeakt am 26. Oktober 1816 an Preußen. Unsere neue politische Heimat war das Amt Burbach im Kreis Siegen unter der neu gebildeten Regierung in Arnsberg.

Unsere gemeindliche Selbstständigkeit mußten wir leider durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Siegen am 1. Januar 1969 aufgeben.

Würgendorf war vor der Eingliederung in die Großgemeinde Burbach eine finanzstarke Gemeinde. Das Gewerbesteueraufkommen betrug 1958 378.159,- DM, das der Gemeinde Burbach nur 118.047,- DM.

Wie sich die Zeiten ändern !!!

Heute wohnen in Würgendorf einschließlich des Ortsteiles Wasserscheide 1611 Menschen (davon 811 m / 800 w), der Ausländeranteil beträgt 6,4 %.

Der erste urkundlich erwähnte Bürgermeister in Würgendorf war Johann-Peter Kreutz. Der letzte Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Würgendorf war Erich Krumm, er war auch der erste Bürgermeister der Großgemeinde Burbach.

Noch einige zusätzliche statistische Angaben:

Aufgestellt

Burbach, im Mai 1999

Ottmar Gontermann

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